Eifrige Leser des Digital Evolution Blogs werden anhand der zahlreichen unterschiedlichen Beiträge festgestellt haben, dass es viele verschiedene Perspektiven auf das Thema Digitalisierung gibt. Außenstehende können beim ersten Blick auf den Gedanken kommen, dass es sich doch nur um Bits und Bytes handelt. Digitalisierung geht aber weit über die Implementierung neuer technischer Prozesse hinaus. Es geht darum, Organisationen zu verändern. Konkret, wie wird Arbeit gestaltet und organisiert, wie wird Wertschöpfung generiert und welche Innovation bringt das Unternehmen morgen nach vorne. Oder bei zu langem Zögern eben auch ins Hintertreffen. Entsprechend hat die Digitale Transformation eine sehr psychologische Komponente, die sich in den Köpfen der Entscheider und Umsetzer abspielt. Die Innovation Alliance, ein Zusammenschluss von elf Mittelständlern rund um den Konzern Cisco, ist in der Studie „Psychologie der Digitalisierung“ der Frage nachgegangen, wie der Mittelstand auf den Digitalen Wandel reagiert. IT-daily.net hat die Ergebnisse zusammengefasst.
Entscheider fühlen sich mit Digitalisierung nicht wohl – Frauen haben weniger Angst
Die Auseinandersetzung mit Digitalisierung löst beim Menschen unterschiedlichste Gefühle aus. Mehr als 75% sehen Digitalisierung als rationale Pflichtveranstaltung. Für fast die Hälfte stellt sie ein Wagnis dar und fast jeder dritte Entscheider verbindet mit der Digitalisierung negative Gefühle, wie „Angst“ und „Einsamkeit“. Überraschend: Frauen (28%) in Entscheidungspositionen haben bei der Digitalisierung weniger Angst als Männer (35%).
Der Mittelstand steht am Beginn seines Weges
In den Unternehmen herrscht Realismus: Nur die Wenigsten (12%) sind der Meinung, sie hätten bereits die Hälfte des Weges zur Digitalisierung geschafft. 18% stehen am Anfang, 37% haben erste Schritte gewagt und 27% setzen sich intensiv mit der Digitalisierung auseinander.
Die Fachabteilungen geben die Richtung vor
Bis vor ein paar Jahren galt noch die einfache Gleichung: Digitalisierung = IT. Die IT-Entscheider stellen mit 21% noch die größte Gruppe, gefolgt vom Management (15%) und der Produktion (11%). Im Marketing werden dagegen nur 3% aller Digitalisierungsentscheidungen getroffen.
Jeder dritte Entscheider fühlt sich allein gelassen
Das Gefühl von Verlassenheit und Angst ist nicht überall gleich weit verbreitet. Die größten Bedenken gibt es in der Produktion (43%) und im Vertrieb (40%). Am gelassensten sieht man die Digitalisierung in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Fertigung und HR (je 25%).
Digitalisierung ist ein Kampf gegen das Althergebrachte
Digitalisierung heißt, vorhandene Systeme und Arbeitsweisen in Frage zu stellen und neue Wege zu gehen. Dafür müssen 29% des Managements interne Widerstände überwinden. In den Fachabteilungen sind diese größer: In Sales/Marketing kämpfen 49%, in Finance/Controlling und Produktion je 43% gegen Hürden.
Digitalisierung ist eine Pflichtveranstaltung
Digitalisierung ist ein Prozess, der mit Verantwortung, Korrektheit, Leistung und Status verbunden wird. Damit diese Pflicht erfüllt werden kann, braucht es aber auch Zuversicht. Diese ist in der Produktion am größten (86%). Marketing (67%) und – interessanterweise – die IT (69%) sind da nicht ganz so zuversichtlich.
Digitalisierung macht auch Freude
Nach vorne denken, Freude am Neuen haben, die Dinge verändern. Bei IT, HR und Marketing (jeweils mehr als 75%) löst Digitalisierung besonders positive Emotionen aus. Das Management (68%) und Controlling (65%) sehen das Thema naturgemäß etwas nüchterner.
Dieser letzten Einschätzung kann sich DARZ nur vorbehaltlos anschließen. Wir gehen davon aus, dass wir in Zeiten des wirtschaftlichen Wandels leben, den die Welt seit der Zeit der Industrialisierung noch nicht gesehen hat. Der Autor Charles Dickens sagte: „It was the best of times, it was the worst of times, it was the age of wisdom, it was the age of foolishness […].“ Digitalisierung ist das, was man daraus macht. Und wir machen das Beste daraus!